Kennen Sie eine zweite deutsche Stadt, die eine Äbtissin im Wappen hat?
Am Ostritzer Rathaus zeigt das Stadtwappen zwischen zwei Türmen eine Toröffnung.
Im Eingang steht eine Ordensfrau mit dem Hirtenstab.
Dieses Wappen erinnert an eine Zeit, da Ostritzer Einwohner wohlhabend und selbstbewusst geworden waren.
Gegründet wurde der Ort, als Bauern aus Franken, Hessen und
Thüringen nach Osten gerufen wurden, um hier das dünn besiedelte Land
urbar zu machen.
Als Gründungsjahr nennt der Verfasser vom „ Heimatbuch der Stadt Ostritz“,
Julius Rolle, „mutmaßlich 1230“.
Doch muss es schon zuvor eine Kirche gegeben haben.
In der „Beschreibenden Darstellung der älteren Bau und
Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen“ urteilt Cornelius Gurlitt über
das Portal auf der Nordseite der katholischen Kirche:“
Die Formen weisen unverkennbar auf das 12. Jahrhundert.“
Demnach können bereits um 1150 Menschen hier gewohnt haben.
Ostritz und das Kloster St. Marienthal
Um 1230 entstand etwa zwei Kilometer südlich vom Ostritzer Marktplatz
ein Kloster–Neubau.
Die böhmische Königin Kunigunde und ihr Mann, König Wenzel von Böhmen, stifteten direkt an der Neiße ein Nonnenkloster.
Ordensfrauen vom Zisterzienserorden wurden in das Kloster St. Marienthal geholt.
Die erste Äbtissin war Adelheid von Dohna (oder Donyn), die Tochter des Burggrafen Otto I von Dohna.
Bis 1397 hatten die nachfolgenden Herren von Dohna ihren
gesamten Grundbesitz mit allen Lebensrechten an Ostritz dem Kloster
abgetreten.
So gehörte Ostritz von 1346 bis 1856 zu Marienthal.
Die Klosterherrschaft war daran interessiert, dass das Städtlein wuchs und wohlhabend wurde.
Über das Kloster bekamen Ostritzer Bürger Rechte und Privilegien zugesprochen.
Von alters her stand der Stadt Ostritz die niedere Gerichtsbarkeit zu.
König Johann von Böhmen bestätigte 1346 diese Rechte ausdrücklich.
Noch mehr Gnadenerweise gab Kaiser Karl IV dem Kloster und der Stadt.
Die Einwohner von Ostritz dürfen Bier brauen; Bier, Brot und Salz frei kaufen und verkaufen.
Das durften die Dörfer nicht.
Es ist keine Urkunde erhalten, die für Ostritz eine Ernennung zur Stadt beweist.
Vermutlich haben die ersten deutschen Siedler gleich das Ziel gehabt, eine Stadt zu gründen.
Ein Beleg dafür ist die Größe des Marktplatzes mit 110 m Länge und 95 m Breite.
Hier war Platz genug für Märkte, Feste und Versammlungen.
Die Landstraße nach Görlitz führte mitten über den Markt.



